Eine Sozialdemokratie für das 21. Jahrhundert

Erkenne dich selbst!


Des Kaisers neue Kleider. Ein Schneider verspricht dem Kaiser außergewöhnliche Kleidung. Einmalig sei Sie und prächtig. Nur jene, die Ihres Amtes würdig sind, könnten diese besonderen Kleider in ihren vollen Pracht sehen. Für den Rest sind sie unsichtbar. Der Kaiser ist begeistert, der Schneider reibt sich die Hände. Die unsichtbaren Kleider werden ausgeliefert. Der Kaiser trägt sie äußerlich mit stolz. Die Minister, Würdenträger und Ehrenmänner, ergehen sich in Lobeshymnen über die fabelhafte Pracht des Kaisers neuer Kleidung. Der Kaiser, die Minister, Würdenträger und Ehrenmänner, sie alle Zweifeln, sie alle sind gefangen in einer sozialen Hierarchie, die Stellung und Wert durch Verleugnung und Lüge bestimmt. Wer eingesteht, dass er den Kaiser nackt sieht, schließt sich selbst aus dem Kreis geachteter Personen aus. Der Kaiser selbst, ist nicht in der Lage diese von ihm selbst (und dem Schneider) geschaffene Ordnung zu durchbrechen, weil er seine Legitimation verlöre, sobald ein anderer behauptet die Kleider zu sehen, während er eingestünde, dass er nackt ist. Das Schweigen und Verleugnen der offensichtlichen Tatsachen ist in des Kaisers Reich die neue Norm. 
Die Einzigen die in diesem Reich nach wie vor frei sind in Gedanken, Worten und Werken, sind jene, die keinen Anspruch auf Ehre und Achtung erheben. Es sind die einfachen Menschen, die den Kaiser nicht nur sehen, wie er ist, sondern ihn auch benennen können. 

Sehen Sie Parallelen zur heutigen Zeit? Schweigen Sie, obwohl Sie es besser wissen? Aus Furcht vor den Konsequenzen? Stimmen Sie Dingen zu, die für Sie keinen Sinn ergeben, um nicht ausgeschlossen zu werden? Haben Sie Angst, die Dinge zu benennen, wie sie sind? Ziehen Sie sich lieber zurück als Behauptungen zu widersprechen, die offenkundig nur von ideologischen Wunschdenken getrieben sind, sich in der Realität aber nicht finden?

Dieses System funktioniert, weil Sie mitspielen. Es funktioniert, weil Sie als ehrenwerte Person gelten wollen. Weil Sie Angst davor haben Rassist, Sexist, Nazi oder Reaktionär genannt zu werden. Deshalb verleugnen Sie ihr Wissen, Ihre Kenntnisse, ihre Erfahrungen und sich selbst. Wir müssen erwachsen handeln, wir müssen die Angst überwinden, wir müssen Konsequenzen in Kauf nehmen. Es ist jetzt die Zeit in der sich die Zukunft der nächsten 50 Jahre entscheidet. Wer soll es tun, wenn nicht wir? 

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Zurück in die Zukunft der Sozialdemokratie

Unserer freie Gesellschaft steht unter Beschuss. Von Rechts... und von Links. Was Sie im 21. Jahrhundert einsehen müssen: Sie sind ein dreckiges, schmutziges, dummes Arschloch. Wenn wir Das vergessen, landen wir in einer Diktatur. Von links oder rechts. 

SD21

SD21 - Eine Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert

Ein Versuch der Fehleranalyse das Ende der alten und der Beginn einer neuen Bewegung


Status Quo


Wir leben im Jahr 2020. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Welt hat in den letzten Jahren technologisch und gesellschaftlich rasend schnell zugenommen. Die Technologien, die wir heute verwenden sind mit einiger Gewissheit in 5 Jahren veraltet. Die Werte die wir im Jahr 2020 hochhalten, sind 2025 vermutlich überholt. Die Logik nach der wir heute denken steht vielleicht in 5 Jahren am Pranger. Was wir heute als „gut“ empfinden, wird vielleicht in 5 Jahren bereits von zukünftigen Gruppen hinterfragt werden. Vielleicht werden Sie im Jahr 2025 für das verurteilt, was sie im Jahr 2020 gedacht, getan, gefühlt, vertreten oder verschwiegen haben.

In dieser Geschwindigkeit unterscheidet sich die heutige Zeit von jeder vorhergehenden. Zumindest insofern wir in Friedenszeiten leben.

Es wird Menschen geben, die diesen Befund als nebensächlich abtun. Tun Sie das nicht! Unterschätzen Sie niemals den psychologischen Effekt einer sich ständig ändernden Umwelt. Alles was wir heute sagen, kann und wird in einigen Jahren gegen uns verwendet werden. Alles was sie heute sagen, die Regeln nach denen sie sich ihr Leben zurecht gelegt haben, werden in einigen Jahren von der nächsten Generation vielleicht nicht einmal verstanden werden. Diese Situation schafft Unsicherheit. Ständige Unsicherheit. Wenn Sie jung sind, suchen sie einen Gegner, den es zu bekämpfen gibt. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Alten. Sie sind überzeugt das Richtige zu tun. Etwas verstanden zu haben, was die Alten nicht verstanden haben. Ihnen fehlt die Erfahrung um zu sehen, dass die meisten Dinge, die die Alten geschaffen haben, einen Sinn ergeben.

Wenn Sie etwas älter sind, werden Sie an den Mustern, die Sie erfolgreich durchs Leben gebracht haben, festhalten. Sie werden nicht in der Lage sein, mit den Jungen mitzugehen. Sie werden vielleicht wissen, dass es in der Natur der Jugend liegt, anders zu sein, dass sie selbst anders waren als ihre Eltern. Mit dieser Weisheit werden Sie die Jugend wahrscheinlich nicht zu ernst nehmen. Die Zeit und die Erfahrung löst den jugendlichen Idealismus von selbst auf. Sie wissen das und sie sind auch gar nicht in der Lage alle paar Jahre ihre Einstellung zu adaptieren - nach Vorgabe der Jugend. Dazu haben Sie schlicht zu viel zu tun. Und Sie wissen mehr als die Jugend. Hören Sie trotzdem hin und schreiten Sie ein, wenn die Jungen zu weit gehen.

Dieser Text ist der Versuch, die Sozialdemokratie neu zu denken. Neu zu tun. Im Zentrum steht die Vorstellung, dass es im 21. Jahrhundert nicht mehr um Innenpolitik oder Außenpolitik geht. Auch nicht um Themen wie Gesundheitswesen, leistbares Wohnen oder Kriminalität. Es geht auch nicht um Geld und Einkommen. Auch Gleichheit ist nicht, was Menschen suchen. Vergessen wir diese Einstellung. Die Dinge funktionieren. Österreich funktioniert. Die Menschen nehmen all das als selbstverständlich wahr. Diese Gegenstände sind nicht obsolet, aber sie sind nachrangig. Im 21. Jahrhundert geht es um die Psyche der Menschen. Es geht darum Menschen zu achten, für das was sie sind. Es geht darum die Fehlerhaftigkeit des Menschen einzugestehen und sie als Vorteil zu sehen. Denn anders als im 20. Jahrhundert wird Menschsein nicht mehr dadurch bestimmt sein können, dass der Mensch das intelligenteste Wesen des Planeten ist. Diese Rolle wird Computern, Künstlicher Intelligenz, Mashine learning, Software usw zufallen.


Die Fehler der Linken:


1) Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns
Mit dem Aufstieg von Jörg Haider in den 90er Jahren begann die Exklusionsstrategie der SPÖ. Die FPÖ war verbrämt und lief synonym zum Terminus neofaschistisch. „Wer für die FPÖ ist, kann mit der SPÖ nichts zu tun haben.“ Auf diesem Weg verlor man jeden Wähler, der auch nur eine Protestwahl abgab auf nimmerwiedersehen. Einmal Nazi, immer Nazi. Wem die oben angeführte Botschaft überbracht wird, kommt nie mehr zurück. In den 2000ern wurde diese Strategie schließlich zu einem intellektuell-ideologischen Überlegenheitsdünkel. Die Linke ist die intelligente Wahl und obendrein moralisch überlegen. „Wie können die Leute nur so blöd sein“ ist der Satz der sich immer stärker unter Linkswählern durchsetzte.
In den letzten Jahren wurden beide Stränge zusammengeführt. Der Ausschlußmechanismus schlägt nicht mehr nur bei der FPÖ. Insbesondere seit Sebastian Kurz die ÖVP zumindest oberflächlich erneuert hat, gilt der Satz auch für die ÖVP. Nun gilt auch die ÖVP als quasi neofaschistisch, ein ÖVP Wähler ist jedenfalls dumm, moralisch verwerflich und hat mit der SPÖ nichts zu tun. So zumindest die vorherrschende Deutung unter Linken. Keiner dieser so gescholtenen ÖVP Wähler kommt jemals zur SPÖ zurück.

Dazu kommt, dass sich die gebildete Elite der Partei der alten Arbeiterpartei überlegen gibt. Das ist eine pure subjektive Wahrnehmung, aber eine, die von so vielen Wählern und sogar Genossen geteilt wird, dass sie schwerlich als Einzelwahrnehmung abgetan werden kann. Wer im Dialekt redet, oder nicht gendert (was in wesentlichen Teilen ident ist), wird nicht ernst genommen. Es geht auch nicht mehr darum mit den Menschen für etwas zu kämpfen, sondern für die Menschen. Dieses Verhalten erscheint in etwa so: Wir setzen uns für euch für leistbares Wohnen ein, dafür redet, denkt und benehmt ihr euch, wie wir es euch vorschreiben. Davon zeugt u.a. auch die latente Geringschätzung von Nichtakademikern. Die SPÖ und auch die Grünen wählen in ihrem Verhalten den Standpunkt eines Eltern-Ichs, das zu Kindern spricht. Die Kinder (Wähler) sollen dankbar sein, dass wir uns für Sie einsetzen. Sie selbst sind zu dumm um die Zusammenhänge zu verstehen. Auf diesen Habitus reagieren die Wähler mit Trotz und wenden sich ab.

Die SPÖ hat sich selbst ihrer Wählerbasis beraubt. Sie hat sowohl der ehemaligen Kernwählerschaft, die Stück für Stück zur FPÖ wanderte, als auch der ursprünglichen Wechselwählerschaft in der Mitte, jenen Wählern die über Mehrheiten entscheiden, den Weg zurück verbaut.

2) Die Politisierung der Sprache

Der linke Rand ist seit einigen Jahren aktiv dabei Sprachpolitik zu betreiben. Sprachpolitik gibt es in verschiedenen Formen. Der Grund hierfür liegt in einem absolut falsch verstandenen ideologischen Paradigma, dass insbesondere aus dem Feminismus rüber geschwappt ist. Die Idee dahinter ist, dass aus Worten Taten werden, und Probleme und Entwicklungen dadurch unterbunden werden könnten, wenn man nur die Sprache kontrolliert. Diese Idee ist nicht nur falsch, sie ist stupid. Die Funktion von Sprache ist es, Phänomene wiederzugeben, die in der Welt vor sich gehen. Tatsächlich manifestieren sich Probleme und Entwicklungen in der Sprache. Allerdings nicht bevor die Entwicklungen und Probleme da sind. Der Grund warum es in Demokratien noch keine große Hungersnot gab ist Folgender: In Diktaturen ist die Sprache reguliert. Alles was sich negativ auf das System bezieht ist für den Benenner des Negativen hochgradig gefährlich. So kommt es, dass in diesen Ländern Lebensmittel exportiert werden, während eine Hungersnot ausbricht. Wer Angst vor Konsequenzen einer Aussage hat, spricht nicht darüber. Aus purem Eigennutz. Ein anderes Beispiel: Für gewöhnlich wird der Fakt, dass die größten Massenmörder in Russland und den USA zu finden sind, darauf zurückgeführt, dass in beiden Ländern kein Vertrauen zur Polizei gegeben ist. Sie werden schlicht nicht entdeckt, weil die Kommunikation gefährlich sein könnte. Genau diese Tendenz treibt die Linke voran.
Jemand der das Wort „Tschusch“ in den Mund nimmt, ist nicht zwangsläufig ein Rassist. Diese Gleichung ist falsch. Die andauernde und sich ständig verändernde und ausweitende Tabuisierung von Begriffen hat aber sehr wohl dazu geführt, dass Menschen lieber schweigen, als zu sprechen. Insbesondere dann, wenn Sie sich als „Linker Intellektueller“ zu erkennen geben. Denken Sie darüber nach.

 a) political correctness
Was ist schon dabei „Ausländer“ statt „Tschusch“ zu sagen? Oder „Roma“ statt „Zigeuner“? Es dient doch nur dazu, Minderheiten zu schützen. Sie haben Recht.
Sie stellen nur die falsche Frage. Wer behauptet, dass diese Minderheiten dieses Schutzes bedürfen? In den allermeisten Fällen, sind Sie es, die eine Behauptung in den Raum stellen, die von der betroffenen Gruppe mehrheitlich gar nicht wahrgenommen wird. Ein Beispiel aus den USA? Die Washington Redskins sind ein am. Footballteam, gegen das mehrmals klagen eingebracht wurde, weil der Name Redskins (Rothäute) nicht politisch Korrekt und also beleidigend sei. Es kam zu einer Umfrage in der 81% der Betroffenen (Amerikaner mit Abstammung aus einem präkolumbianischen Stamm) angaben, keinerlei Problem mit dem Namen zu haben. Derlei aber schürt Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung. Anstatt Sprachsicherheit zu geben, schaffen solche sprachlichen Pseudo-Diktate allerdings genau das Gegenteil. Wie in diesem Beispiel handelt die Linke immer wieder. Es ist Paternalismus. Die bereits in 1) beschriebene Einstellung moralisch-intellektuell überlegen zu sein.

Politisch korrekte Begrifflichkeiten werden desweiteren ständig ausgeweitet und sensibilisiert. Wussten Sie z.B. dass es heute nicht mehr in Ordnung ist „Farbiger“ zu sagen? Es sind innerhalb der Linken Bedeutungskonkurrenzen im Gange, der sich niemand in den Weg stellt. Selbst dann, wenn Sie sich gerne an politisch korrekte Begrifflichkeiten halten wollen, werden Sie es, nicht schaffen. Was heute noch als angemessene Begrifflichkeit gilt, ist morgen schon beleidigend.

Sich diesem Diktat zu beugen bedeutet ständig schuldig zu sein. Irgendjemand wird sie trotzdem des Sexismus, Rassismus oder der Diskriminierung beschuldigen. Es ist ein nicht zu gewinnendes Spiel. Es ist geradezu so, dass jene, die versuchen dieses Spiel mitzuspielen, die wahrscheinlichsten Opfer eines linken Shitstorms werden. Fragen Sie z.B. im phil, einem der bekanntesten, als Gutmenschenlokal (und das durchaus im positiven Sinne) bekannten Cafehäuser in Wien. Daher spielen die meisten Menschen einfach nicht mit. Je mehr also die Linke dieses Spiel forciert, desto weniger Chancen hat sie. Einfach weil das Spiel per se nicht zu gewinnen ist. Und wer will schon ein Spiel spielen, indem er von Beginn an als Verlierer feststeht?

 b) Die Umdeutung bestehender Begriffe
Rassismus ist die Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen.
Eine schöne Definition. Ob sie es wissen oder nicht. Diese Definition steht derzeit von linker Seite unter Beschuss. Die Annahme lautet, dass jemand der unterdrückt wird (Unterdrückung wird anhand von Gruppenzugehörigkeit festgestellt) per definitionem nicht rassistisch sein kann. Lesen Sei es nach. Die Stichwörter sind „critical whiteness“, „Intersektionalität“, „white privilege“ und und und.
Das ist allerdings nicht alles. Wenn Sie „weiß“ sind, sind aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit privilegiert und jedenfalls latent rassistisch. Sind Sie darüber hinaus männlich, sind sie rassistisch und sexistisch. Sie können nichts dagegen tun. Das ist die Theorie.
Sie dürfen beruhigt sein: Kaum etwas davon basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. All das funktioniert auf dem Wenn-Dann Prinzip. Wenn A richtig ist, dann folgt daraus B. Nur sind die Annahmen A überwiegend geradezu lächerlich falsch. Als Beispiel: Wenn richtig ist, dass man Genderidentität unabhängig von biologischen Determinanten wählen kann, dann... Was folgt ist egal. Die Annahme ist falsch, daher ist die Schlussfolgerung obsolet. Darauf aber basiert im Moment die Ideologiemanufaktur. links wie rechts. Wenn Sie in einer linken Wiener SPÖ Sektion sind, haben Sie vielleicht das Gefühl kennen gelernt, dass solcherlei Annahmen oft vorkommen, es aber nicht möglich ist, diese in Frage zu stellen. Schweigen aus Angst vor ideologischer Ächtung ist mir hunderte Male begegnet. Mein Eindruck ist: Die derzeitige Parteiführung meint, dass diese Richtung stimmt.
Sie dürfen beunruhigt sein: In 5 Jahren ist das die Grundlage linker Politik in Österreich. Die jungen Linken sprechen von nichts anderem.


3) Von einer moderaten zu einer radikalen Ideologie

Warum sind wir gegen die Rechten? Weil Sie Menschen nicht als Individuen beurteilen, sondern als Gruppen. Als Gläubige oder Rassen oder Völker?
Was tut die neue Linke? Sie beurteilt Menschen nicht als Individuen sondern als Gruppen. Als Rassen, Völker oder Geschlechter.
Der Unterschied ist nicht mehr ersichtlich. Ein Rechter redet von den bösen moslemischen Arabern.  Ein Linker redet von den bösen weißen Männern.
Ein Rechter ist gegen die Juden, weil er glaubt, dass er von ihnen unterdrückt wird. Sie verdienen im Durchschnitt mehr.
Eine Linke ist gegen weiße Männer, weil sie glaubt, dass sie von ihnen unterdrückt wird. Sie verdienen im Durchschnitt mehr.
Der Unterschied ist nicht mehr zu erkennen. Identity Politics ist das Zauberwort. Sie sind gut oder schlecht aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit.
Noch ein Seitenhieb auf die Gender-Theorien: Es gab in Amerika eine Gruppe um Peter Boghossian die sich zur Aufgabe gemacht hat, zu beweisen, dass diese Studienfächer nicht wissenschaftlich sondern rein ideologisch begründet sind. Diese Gruppe schickte nun frei erfundene Papers in den relevanten gender-studies Fachzeitschriften um zu zeigen, dass dort nicht nach Fakten, sondern nach Weltanschauung publiziert wird. U.a. gelang es ihnen so, Kapitel 12 aus Mein Kampf zu veröffentlichen. Alles was dazu nötig war, war Begriffe wie „Jude“ durch „weiße Männer“ oder „Whiteness“ bzw. „NSDAP“ durch „unsere Bewegung“ zu ersetzen. Prüfen Sie es selbst und nehmen Sie den umgekehrten Weg. Nehmen Sie ein neues radikales feministisches Manifest und setzen Sie statt feministischer Kampfbegriffe faschistische ein. Sie werden sehen: Es ist derselbe Gedankengang und dieselbe Weltanschauung am Werk.

Die Linke ist so radikal wie die Rechte. Und es ist noch schlimmer, weil sich die Linke von Ihren radikalen Elementen nicht distanzieren kann und will. Ja nicht einmal sieht, dass sie ein Problem hat.

4) Der schleichende Wechsel von einem Paradigma der Chancengleichheit zu einem Paradigma absoluter Gleichheit

Die SPÖ stand für Chancengleichheit. Studiengebühren? Jeder und Jede muss die Chance haben die Weihen einer Universität zu bekommen, wenn er die geistigen Fähigkeiten und den Willen mitbringt. Jeder und Jede hat das Recht seinen oder ihren Interessen zu folgen. Jeder und Jede hat das Recht, Freizeit für Geld oder Geld für Freizeit zu tauschen. Jeder hat das Recht sich einen Beruf zu suchen, der mit Menschen und sozialen Interaktionen, Steinen oder Bits und Bites zu tun hat. Jeder und Jede hat das Recht Familie für Beruf und Beruf für Familie zu tauschen. Jeder und Jede nach seiner/ihrer Facon. Jeder und Jede hatte auch das Recht zu scheitern. Jeder und jede hatte das Recht Fehler zu machen. Die Sozialdemokratie hat sich zur Aufgabe gestellt, all das zu gewährleisten. Die Sozialdemokratie (und die Grünen) stehen nicht mehr für diese Freiheit. Sie hat aus der Freiheit eine Pflicht gemacht. Es ist nicht mehr „Sie können, wenn Sie wollen.“ Es ist jetzt „Sie müssen. Ob Sie wollen oder nicht.“

Wir streben nun nach Quoten. Ihre Freiheit ist eingeschränkt. Ihr Geschlecht und ihre Herkunft sind wichtiger als ihr Interesse oder ihre Fähigkeiten. Das ist was die Sowjets getan haben, das ist, was in Nordkorea passiert. Das ist eine radikale Linke. Das ist eine Linke, die Zwang und Druck einsetzt um eine Utopie zu erreichen, die, wenn man genau hinsieht, kein Paradies, sondern ein Kerker ist. Geben Sie sich keiner Illusionen hin: Egal ob Sie Mann oder Frau sind, egal ob sie zu einer marginalisierten Gruppe gehören oder zur Mehrheitsgesellschaft: Diese Einstellung wird Sie Freiheiten berauben, sie wird Mißtrauen in ihr Leben bringen, Sie wird ihr Glück und ihre Zufriedenheit erheblich einschränken.
Sie haben jahrelang gearbeitet und sind die beste Ärztin in ihrem Feld? Pech gehabt. Es muss ein Mann die Stelle bekommen. Wir wollen ja einen Reißverschluss.
Sie interessieren sich von Kindheit an für Technik? Sie möchten Informatik studieren? Tja Pech gehabt, wir müssen eine Quote erfüllen.
Es interessieren sich zu wenig Menschen der Gruppe X für Stelle Y? Das ist nicht zu akzeptieren usw usf.  
Wir haben wissenschaftlich bestens fundierte Kenntnisse dass gewisse Merkmale zwischen Männern und Frauen anders verteilt sind? Pech gehabt. Ideologie schlägt Fakten. Indem Moment indem eine Ideologie die Fakten schlägt, sind Sie in einer radikalen Linken.

Persönlich kenne ich Frauen, die nicht mit Männern arbeiten wollen und deshalb in einem „Frauenberuf“ arbeiten. Ich kenne Männer die nicht mit Frauen arbeiten wollen und deshalb in einem „Männerberuf“ arbeiten. Halten wir als Gesellschaft so etwas aus?
Halten wir es aus, dass ein Veganer sich entscheiden kann nicht in einem Schlachthof zu arbeiten? Halten wir es aus, dass ein Schluchtenscheißer sich entscheiden kann nicht in der Stadt zu arbeiten?
Halten wir es aus, dass im Basketball 2Meter Männer dominieren und in Yoga Kursen schlanke Frauen 90% der Teilnehmer stellen? 
Oder müssen wir alles nach Quote Regeln? 

Eine Linke darf NIEMALS das Streben nach gruppenbezogener Gleichheit über die individuelle Freiheit eines jeden und einer jeden Einzelnen Stellen. Wenn Sie das tut schlägt sie den Weg zum Totalitarismus ein.
Die Frage ist: Warum ist Equity überhaupt ein erstrebenswertes Ziel? Wurde von jener neuen Linken einmal darüber nachgedacht, dass diese Ideologie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in menschlichen Desastern endet? Weil Menschen nicht nach der 50/50 Methode funktionieren?


5) Die Ignoranz gegenüber unangenehmen Wahrheiten

Europäer haben blaue, graue, grüne Augen und glatte Haare. Das kommt daher, dass Europäer sich einst, in grauer Vorzeit mit Neandertalern gepaart haben. Die etwa 2% Neandertaler DNA die sich im durchschnittlichen Europäer des Jahres 2020 finden lassen, werden für Augen wie Haare verantwortlich gemacht.
Dass unter den 50 schnellsten Menschen der Welt weder ein weißer Mann noch eine Frau zu finden sind, hat nichts mit Sozialisation zu tun. Es sind genetische Besonderheiten in der karibischen Bevölkerung, die den Unterschied ausmachen.
Schwarze Männer haben im Durchschnitt einen größeren Penis als Weiße. (Ja dazu gibt es Statistiken, die niemand der zwei Augen im Kopf hat braucht). Kennen Sie irgendjemanden der sich von diesen Fakten beleidigt fühlt?
Freilich, es gibt weit beängstigendere Statistiken. Der durchschnittliche IQ unterscheidet sich zum Teil erheblich zwischen Ethnien. Die IQ Verteilung zwischen Männern und Frauen ist unterschiedlich. IQ ist zu einem großen Teil genetisch bedingt. Allerdings nicht nur.
Der Prozentsatz an heranwachsenden Mädchen die an einer psychischen Störung leiden ist in den USA, in den letzten Jahren um 175% gestiegen. Derselbe Prozentsatz für Burschen lediglich moderat um ca. 20%. Wissenschafter haben eine ausgezeichnete Erklärung hierfür (Sehen Sie bei Jonathan Haidt nach). Mädchen und Burschen sind, soviel ist seit Jahrzehnten Erkenntnissstand, ähnlich aggressiv. Burschen allerdings sind aktiv aggressiv. Sie raufen. Mädchen sind sozial aggressiv. Sie mobben. Das Einsetzen sozialer Medien als Massenphänomen hatte daher massive Auswirkungen auf Mädchen und kaum welche auf Burschen. Burschen nutzen darüber hinaus soziale Medien anders als Mädchen.
Das skandinavische (oder nordische) Gender Paradoxon hat erbracht, dass Frauen und Männer, je freier und ohne sozialen Zwang die Berufswahl geschieht, umso mehr in typische Männer- und Frauenberufe gehen. Daher gibt es heute in Marokko mehr weibliche Ingenieure als in Schweden.
Was aber sagt mir die neue Linke? Was nicht sein darf, kann nicht sein? Welche Maßnahmen setzen Sie um heranwachsenden Mädchen zu helfen, wenn Sie die Unterschiedlichkeit von Mädchen und Burschen qua ideologam verneinen?
Wie kann man Teil einer Bewegung sein, die wissenschaftliche Fakten negiert. Eine persönliche Anekdote? -Der Satz "Männer sind größer als Frauen" brachte mir einen Sexismusvorwurf.
Eine Bewegung, die Fakten zugunsten einer Ideologie vermeidet ist sehr, sehr gefährlich.

Auch wenn manche dieser Fakten furchteinflößend scheinen, ist die schlimmste aller Reaktionen, sie einfach zu ignorieren, weil sie nicht in das Weltbild passen.

Die Kernaussage ist: Dass schwarze Männer im Durchschnitt größere Penise haben als weiße, sagt nichts über die Größe Ihres Penises. Niemand ist direkt davon betroffen. Allerdings geht es an eine Erwartungshaltung an ihren Penis, die deshalb richtig ist, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zutrifft. Wer hat Angst vor der Wahrheit? Sie etwas? Niemand. Warum lassen wir uns dann von den Ideologen treiben?

6) Die SPÖ ist am Ende

Mit der Entscheidung, der Bobofraktion nachzugeben, bekommt die SPÖ die Kurve nicht mehr.



Zukunft im 21. Jahrhundert


Fragen wir uns wie unser Leben in 10, 20 oder 50 Jahren aussehen wird? Ich nehme vorweg worum es in 10, 20 oder 50 Jahren gehen wird: Darum weiterhin fehlerhaft sein zu dürfen. Es wird darum gehen weiterhin menschlich sein zu dürfen. Darum, nicht an Computern und Algorithmen gemessen zu werden.

Die Welt in 10, 20, 50 Jahren

Nehmen Sie sich Zeit um sich dieses Video anzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=Ra3fv8gl6NE (leider englisch: Elon Musk ist u.a. Chef von Tesla). Denken Sie dann daran, wofür Sie in Ihrer Umgebung eigentlich noch gebraucht werden. Worin Sie sich noch wirklich auszeichnen können. Denken Sie daran, worauf sich ihre Tätigkeit heute beschränkt im Vergleich zum Jahr 2000. Denken Sie jetzt daran, dass die Drohnen die heute den einen oder anderen Strommasten warten in 10 Jahren nicht mehr gesteuert werden müssen. Denken Sie daran, dass sie keine Taxis mehr fahren müssen. Sehen Sie sich an, was Roboter heute können. Hier zum Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=fUyU3lKzoio Seien Sie sich bewusst, dass in 50 Jahren auch diejenigen, die heute die wichtigsten, unersetzbarsten Arbeiten verrichten, die Elektriker, Friseure, Krankenschwestern, Installateure, Maurer und und und von solchen Robotern abgelöst werden. Es ist nicht nur die Intelligenz, die überflüssig wird, weil wir eine künstliche Intelligenz schaffen, der kein Mensch das Wasser reichen kann. Es werden auch die Handwerker sein, es werden selbst diejenigen sein, deren Berufung es ist, mit Menschen zu arbeiten, die unwichtig werden könnten. Denken Sie weiters daran, dass alles was Sie auf ihrem PC oder ihrem Smartphone tun schon heute gespeichert wird. Dass es schon heute zehntausende Menschen gibt, die ohne weiteres jedes Wort, das sie eintippen lesen können, jedes Gespräch mithören, jede Seite aufrufen, die Sie jemals im Internet angesteuert haben. Denken Sie daran, dass es in einigen Jahren kein externes Gerät mehr sein wird, mit dem Sie all das tun, sondern ein internes. Eine Linse vielleicht, oder ein Implantat oder eine Brille. Denken Sie daran, dass in 10, 20 oder 50 Jahren jedes Wort, das sie sagen, jeder Satz, den Sie schreiben, jeder Film den Sie sehen, jede Zeile die Sie lesen und jede Handlung die Sie tun absolut transparent sein wird.

Die Rückkehr Gottes

Wenn Sie sich an die oben beschriebenen Tendenzen der Linken halten, müssen Sie sich in jeder Sekunde an den Maßstäben einer neutralen, übergeordneten, technischen Instanz messen lassen, die alles besser weiß als Sie. Die technologische Entwicklung ist auch nicht aufzuhalten.
Ich bitte Sie, mir in die Vergangenheit zu folgen. In die Gottesvorstellungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Wer war dieser Gott? (Allah ist es heute noch im folgenden Sinne so.) Es war ein Gott, der ständig bei Ihnen anwesend war. Nicht zwangsläufig als Helfer sondern als Überwacher und Richter. Die katholische Kirche tat ihr Möglichstes dieses Bild -ein Gott der alles sieht, was sie tun, alles hört, was sie sagen, alles liest was sie denken und alles beurteilt was sie fühlen- aufrecht zu erhalten. Sie tat das, weil sie wusste, dass alle Menschen Sünder sind und sie dieses Wissen kapitalisieren konnte. Indem Sie Ablassbriefe gehandelt und Beichten gelesen hat oder Krieger zur Reinwaschung von Sünden requirierte.
Diesen Gott, wird es im 21. Jahrhundert wirklich geben. Fragen wir uns wie wir damit umgehen. Denken Sie, dass Sie ein so moralisch reiner Mensch sind, dass Sie unter dem ständigen Urteil dieses Gottes ein glückliches Leben führen können? 
Ich bin kein Hellseher, aber ich sehe diese Zukunft unter den derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Kräften (die ich leider hauptsächlich in meiner ehemaligen politischen Heimat, der Linken orte) beinahe zwangsläufig auf uns zukommen. Es sei denn wir besinnen uns, und ändern unsere Einstellung. Wir müssen anerkennen, dass wir Vorurteile haben. Das ist ein Fakt. Keinesfalls dürfen wir etwas, das wir natürlich sind, als beschämend wahrnehmen.
Wir müssen anerkennen, dass wir Vorlieben haben. Wir müssen anerkennen, dass wir individuell nicht zu allem befähigt sind, sehr wohl aber für einige Dinge sehr gute Voraussetzungen mitbringen.
Der Schlüssel dazu ist, dass wir als Gesellschaft anerkennen, dass wir individuell und als Ganzes fehlerhaft sind.
Ich bin ein perverses, rauchendes, unsicheres, überhebliches, vorurteilendes Arschloch. Und ich will im 21. Jahrhundert ein Recht darauf all das sein zu dürfen, weil es keinen menschenmöglichen Weg gibt nicht zu urteilen. 

Menschsein als Kernfrage einer Politik des 21. Jahrhundert
Wenn wir in der Zukunft weiterhin eine Chance auf ein Glück haben wollen, müssen wir uns folgendes Fragen: Was heißt es eigentlich Mensch zu sein?
Ist es menschlich in allen Lebensbereichen ein Ideal darzustellen? Ist es menschlich lasterlos zu sein? Ist 50/50 ein menschliches Prinzip? Oder ist es ein Ideal? Ist es menschlich jedem anderen Menschen mit exakt derselben Nähe oder Distanz entgegenzutreten? Oder ist es menschlich einer Frau/Mann die Sie sexuell oder emotional anziehend finden anders zu begegnen als jemandem auf die/den das nicht zutrifft? Ist es menschlich, dass man sich vorzugsweise Partner sucht, die unseren Eltern ähneln oder ist das böse, weil man Menschen die woanders herkommen nicht diskriminieren soll? Wollen Sie sich für menschliches Verhalten schämen? Und was wenn? Sie sind in eine Falle getappt aus der Sie nicht heraus können.
Warum warf niemand, als es hieß: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Sind Sie der Steinewerfer? Sind Sie derjenige, der eine Welt schaffen will, in der das Lasterlose das gesetzliche Prinzip ist? Fragen Sie sich: Wollen Sie das wirklich? Und werden Sie ihrem eigenen Anspruch gerecht? 
Die Richtung die wir eingeschlagen haben läuft genau in diese Richtung. Egal ob es um Rauchverbote oder Political Correctness geht. Wir nähern uns einem Zustand in dem jedes Laster sanktioniert wird. Haben Sie zum Beispiel den Terminus „Lookismus“ bereits gehört. Es gibt Menschen, die meinen es wäre diskriminierend, wenn Sie schöne Menschen lieber ansehen als Hässliche. Denken Sie, Sie können nach so marginalen Regeln leben? Sehen Sie all die minimalen Ausreißer, die heute im Sport oder bei Prominenten zu Sanktionen führen? Ein falsches Wort? (Es muss nicht unwahr sein, aber für die Situation nicht opportun) Denken Sie daran, dass Sie in naher Zukunft genauso unter ständiger Beobachtung leben, wie heutige Spitzensportler. Wollen Sie bei jedem Wort vorsichtig sein? Wenn Sie „Ja“ sagen, haben Sie ein unmögliches Unterfangen vor sich. Wenn Sie die Muße haben, sprechen Sie mit einem alten Osteuropäer, der sein halbes Leben in der Sowjetunion zugebracht hat. Das ist, was auf Sie wartet. Oder lesen Sie die Gulag-Literatur. 

Wenn Sie diesem Weg folgen, sind Sie unschuldig bis ein Kläger auftritt. Dann allerdings sind Sie jedenfalls schuldig. Es gibt keinen Menschen, der sich an diesen Maßstäben messen lassen könnte. Kein Gandhi, kein Jesus, kein Matin Luther King, keine Mutter Theresa. Niemand. Sie nicht, ich nicht, niemand.

Die Definition von Regeln: Freiheit

Denken Sie daran, wie das 21. Jahrhundert aussehen wird. Denken Sie daran, dass Sie keine Wahl haben bezüglich der Technologie. Die einzige Möglichkeit die wir haben ist es, die Regeln menschlich zu halten und uns bei der Regelsetzung nicht von der Technologie treiben zu lassen.
Denken Sie daran, dass Sie einmal 16 waren und erlernen mussten, wie Sie auf das andere Geschlecht zugehen. Sie mussten die Spielregeln lernen, Sie mussten Fehler machen dürfen um einen Weg zu finden, Sie mussten zurückgewiesen werden, Sie mussten Risiken eingehen, Sie mussten TUN um herauszufinden, wie das Spiel funktioniert. Denken Sie nun daran, dass die Forderung heute lautet, dass selbst ein falsches Wort Sexismus sein kann. Dass der Weg, den v.a. die Linke heute eingeschlagen hat, darauf hindeutet, dass Dinge wie Lookismus gesellschaftlich zur Norm werden. Ist Verhalten nach diesen Regeln menschlich?
Wir müssen einfach anders denken. Es geht bei Arbeit im 21. Jahrhundert nicht mehr um Geld. Es geht um Identität. Die identitätsstiftende Komponente wird noch wichtiger sein als die monetäre. Wenn wir an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen denken, müssen wir daran denken. Quoten z.b. zielen nicht auf Identität sondern unterlaufen sie. Warum? Weil hinter jeder Quote der Vorbehalt steckt, dass sie nicht wegen ihrer Kompetenz oder Leistung dort sind, wo sie sind, sondern weil sie Protektion haben. Auch das trifft auf beide Geschlechter und jede Ethnie zu. Und der Effekt ist menschlich und psychologisch bestens erforscht. Sie tun sich nichts Gutes, wenn Sie sich geißeln, weil sie diesen Gedanken nicht haben sollten.

Brauchen wir eine Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert?

Ja wir brauchen eine Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die auf Menschen fokussiert. Eine SPÖ neu, die weiterhin sicherstellt, dass Menschen ihren Weg gehen können und eine faire Chance haben. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die sich für die Freiheit zu gewinnen und zu verlieren einsetzt. Wir brauchen eine linke Initiative, die dafür sorgt, dass Menschen Gruppen bilden können, in denen Sie Individuen sein können. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die Identitäten schafft anstatt sie zu zerstören. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die sich dafür einsetzt, dass Menschen ohne Verurteilung Fehler machen dürfen. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die den Schwachen dazu verhilft, sich selbst zu helfen. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die das Kind einer arbeitslosen, bildungsfernen Familie ermöglicht den Sproß eines Stadtadeligen Ehrenhauses arm aussehen zu lassen. Wir brauchen eine Sozialdemokratie, die sicherstellt, dass wir auch in 10, 20 oder 50 Jahren menschlich sein dürfen.

Was wir im 21. Jahrhundert tun müssen ist, so viele Spielfelder wie möglich zu schaffen bzw. sie offen zu halten. Wir müssen dafür sorgen, dass es Spielfelder gibt in denen Aggressivität oder Muskelmasse die Spielregeln definieren, es muss Spielfelder geben, in denen Emotionen die Spielregeln definieren, es muss Spielfelder geben, Es muss ein Spielfeld geben in dem Schönheit die wichtigste Regel ist, es muss Spielfelder geben in denen Kreativität das Maß ist, es muss Spielfelder geben in denen intellektuelle Diskussionen führen und es muss Spielfelder geben in denen geflucht und geschimpft werden darf und in all diesen Spielfeldern müssen Menschen erlaubt sein, die die Regeln in Frage stellen.
Das ist das Gegenteil von dem, wohin im Moment alles zeigt. Alles steuert auf eine unsichtbare Mitte zu, die 24/7 eingehalten werden muss und die akzeptierte Abweichung von dieser Linie wird Tag für Tag geringer.


Letzte Worte

Leider steht genau Das, was hier geschrieben steht, auf keinem Stimmzettel. Ich behaupte, dass das der Hauptgrund ist, warum sich die Menschen von der Linken abwenden. Und ich glaube, dass viele SPÖ und Grüne wählen OBWOHL sie sich bewusst sind, dass beide Parteien diese Richtung vertreten.
Ich bin aufgewachsen mit dem Bewusstsein, dass man eine Person aufgrund ihres Charakters beurteilen sollte, nicht aufgrund ihrer Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Sprache oder sozialem Status. Aber auch mit dem Gedanken, dass man aus all diesen verschiedenen Herkünften etwas lernen kann. Um das zu erreichen muss es möglich sein auf Offensichtlichkeiten eingehen zu können. Genau das ist, was unser Leben bereichert. Deshalb dachte ich die Linke wäre auf dem richtigen Weg. Ich bin schockiert darüber, dass sie nun wieder aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Sprache oder sozialem Status urteilt. Wir müssen linken wie rechten totalitären Tendenzen entgegentreten. Dazu müssen wir den Elefanten im Raum ansprechen und ihn auf den Stimmzettel bringen:
Nein zu Identity Politics.
Nein zu politischer Korrektheit.
Nein zu Quoten.
Nein zu sinnlosen Sprach- und Verhaltensverboten, die einzig und allein Angst in die Welt bringen.
Nein zu jeder Art von Diskriminierung, die ZWANGSLÄUFIG mit den oben genannten Dingen einhergeht.
Nein zu ideologischen Weltbetrachtungen die Fakten ignorieren und Utopien auf Sand bauen (Von der Linken, wie der Rechten gleichermaßen)
Nein zu ideologischen Totalitarismus, wie sie aus Equity-Träumereien entsteht.

JA zu Chancengleichheit.
JA zu Kompetenz, Qualität und Charakter unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sozialer Klasse.
JA zu individueller Freiheit.
JA zu individuellen Identitäten.
JA zur Anerkennung von Fakten um daraus die besten Schlussfolgerungen zu ziehen.
JA zu individuellem Wert und Würde der Menschen.
JA zu klarer Sprache, Disput und offenen Gespräch.
JA zur Hilfe zur Selbsthilfe für jene die sie brauchen.
JA zu einer offenen Gesellschaft innerhalb klar definierter Grenzen. 
JA zu einer Leitkultur mit großer Varianz.
JA zu einer sozialen Demokratie für das 21. Jahrhundert.
JA zum Recht auf Scheitern, Fehler, Hindernisse sowie Erfolg und Auszeichnung.
JA zu einer erwachsenen, resilienten Gesellschaft.

Wir sollten tun, was wir können um uns selbst und unseren Kindern weiterhin eine auf Menschen zentrierte Gesellschaft zu bieten. Denken Sie an ihre Töchter und Söhne. 


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Warum das Ganze?

Weil es notwendig ist. Nicht weil ich es will. Weil es getan werden muss. Weil der Trend des Jahrhunderts eindeutig ist. Weil er in eine Sackgasse führt, und weil wir nicht hier sitzen können um später zu sagen, "ich habe es nicht kommen sehen". Sie sehen es, ich sehe es, wir sehen es. Aber unsere Bäuche sind voll und unsere Wohnungen und Häuser warm und deshalb denken wir: Ich fühle, dass es falsch ist, ich verstehe es nicht, es passt nicht zu den Werten, die ein Leben lebenswert machen, aber ich schweige, weil es nur um dieses Verbot geht und jenen Gedanken über den man nicht reden und jenes kleine Gefühl, das man nicht ausdrücken soll. Sie und ich, wir sind die Frösche in einem Kochtopf. Jedes Jahr wird es wärmer und wir spüren es. Und wir lassen es geschehen, bis es zu spät ist. 

Versuchen wir zumindest aus dem Topf zu springen. Lassen Sie uns fortschrittlich sein. Definieren wir, wie die Welt aussehen soll. In 10, in 20 oder 50 Jahren. Wollen wir starke Männer und Frauen sein? Wollen wir ein Land, einen Kontinent vielleicht, bauen, indem wir glücklich werden können? Sind wir mutig genug, für dieses Glück die Hürden in Kauf zu nehmen, die auf dem Weg zum Glück liegen? Oder wollen wir die Hürden aus dem Weg räumen? Wollen wir jene ehren und achten, die die größten Hürden überspringen oder jene die vor einem Kieselstein weinend zusammenbrechen um zu verlangen, dass man ihnen den Kieselstein aus dem Weg räumt?

whostopscrazyness

Definitionsarbeit

Nachdem einige unserer zentralen Begriffe durch Angriffe von Links und Rechts unter Beschuss geraten sind, möchte ich hier Definitionsarbeit leisten, an denen man sich orientieren kann. 

Radikalismus & Extremismus:

In Anlehnung an A. Sen kann man Extremismus als singuläre Identität beschreiben. Achten Sie darauf, ob Menschen in Ihrer Umgebung alles auf ein Merkmal zurückführen. Endet jedes Argument in Allah, einem Geschlecht oder seiner Herkunft hat sich jemand in Extremismus verengt. Dies lässt sich allerdings an offensichtlichen Dingen ablesen. Kleidung, Sprache, Verhalten... Legen wir die selbe Skala von 0-10 an. Beginnen wir mit etwas unverfänglichen: Fußball. Ein Rapid Fan. Diese Skala könnte in etwa so aussehen:
0 Jemand interessiert sich gar nicht für Fußball
1 Alle in meiner Familie waren Rapidfans, aber mich interessiert es eigentlich nicht.
2 Rapid ist sympathisch 
3 Hat ein Trikot zuhause, zieht es aber nur in Ausnahmefällen an. 
4 Geht ab und zu zu einem Spiel
5 Im Freundeskreis ist Fußball oft Thema, Man diskutiert mit Anhängern anderer Vereine
6 Hat ein Saisonabo, macht sich aber nicht viel aus Niederlagen
7 Ein großer Teil des Kleiderschrankes besteht aus Rapid-Fanartikeln. 
8 Lässt jeden wissen, dass Rapidfan sein, etwas besonderes ist. 
9 Sie stellen sicher, dass Sie jederzeit und immer als Rapidanhänger erkennbar sind.  Empfindet es als Beleidigung wenn man andere Vereine gleichsetzt
10 Das ganze Leben ist an Rapid ausgerichtet. 

EIne Skala wie diese ist jederzeit auf andere Identitätsstiftende Bereiche umzulegen. Bei Religion bräuchten Sie z.b. nicht viel zu ändern. Es kann aber auch die Herkunft sein. Denken Sie sich z.B. einen Steirer der in Wien im Hut und Gamsbart oder Lederhosen auftritt. Tut er das einige wenige Male im Jahr fällt er vermutlich in Kategorie 4. Tut er es immer sind wir bei 9 oder 10. Es kann aber auch um soziale Herkunft sein. Denken Sie an einen Bauern oder Arbeiter oder Adeligen. Oder eine Rolle wie Mutter oder Sportler oder Musiker. In der heutigen Zeit könnten es aber auch Produkte oder Hersteller sein. Apple oder ein Porsche. Sie können diese Skala auch an Fleischessern oder Veganern anlegen. Oder Umweltschützern oder Feministinnen. Oder Aktivismus in allen Richtungen. Ich kannte jemanden auf der Universität, der alles (wirklich alles) auf Marx zurückführte. Eine sehr singuläre, radikale Identität. 

Bedenken Sie, dass diese Skala auch Ihre Identität angibt. Sind Sie bei einem Merkmal auf 1-3 identifizieren Sie sich nicht sehr stark mit dem Merkmal. Es ist für Sie rudimentär. Auf 4-7 sind identifizieren Sie sich recht stark mit einem Merkmal, ab 8 befinden Sie sich in einer radikalen Sphäre. Die Grenze liegt genau dort, wo der Humor verloren geht. Können Sie darüber lachen ein Mann/Frau, Christ/Moslem/Atheist, Veganer/Sportler/Raucher... zu sein? Dann sind sie im grünen Bereich. Denken Sie sich einen abstrakten Gesamtpunktestand von 50. Sie haben eine absolut gesunde Persönlichkeit wenn sie viele verschiedene Teilidentitäten im Bereich von 1-7 besitzen. Vielleicht erreichen Sie 4 Punkte auf der Religionsskala, 5 Punkte auf der Mannskala, 5 Punkte auf der Bildungsskala, 2 Punkte auf der Religionsskala etc. Eine radikale Persönlichkeit bezieht diese 50 Punkte aus den Bereichen 8-10, die alle aus dem selben Gedankenkreis kommen. 9  Punkte auf der Nationalismusskala, 10 Punkte auf der Bundeslandskala, 8 Punkte auf der Mannskala etc. 
Bedenken SIe: Haben Sie sehr niedrige Scores zwischen 0-2 sind Sie vermutlich auch keine gesunde Persönlichkeit. Jeder von uns benötigt Identitätsmuster und Regeln auf die er sich stützen kann. 
Was ist der Unterschied zwischen Radikalismus und Extremismus? Extremismus geht mit Aktivismus und/oder Gewalt einher. 

Identitäten sind sinnstiftend. Man kann zwischen intrinsischen und extrinsischen/manifesten Identitäten unterscheiden. Erstere sind jene, die Sie sich selbst erarbeiten können. Ein Teil ihrer Identität kommt Ihnen aufgrund ihrer erworbenen Fähigkeiten zu. Vielleicht sind Sie Akademiker oder Sportler, vielleicht sind Sie Musiker, Künstler oder Elektriker. Diese Identitäten sind formbar. Dazu gehören auch politische Einstellungen. Und Religion! Es wird allzu oft vergessen, dass wir uns unsere Religion aussuchen können. 
Extrinsische Identitäten sind etwa Ihre Herkunft, sowohl Regional als auch sozial, ihr Geschlecht, ihre sexuelle Orientierung, Ihr Alter, Ihre Größe und Prädisposition. Diese Identitäten sind weit weniger formbar, allerdings auch nicht absolut feststehend. Ihre Herkunft z.B. hat mehrere Ebenen. Vielleicht kommen Sie aus St.  Veit in der Gegend. St. Veit liegt zum einen in einer Region, die "in der Gegend" heißt, dann liegt es in Kärnten, außerdem in Österreich, das wiederum ein Land in Europa ist, welches ein Kontinent des Planeten Erde ist. Innerhalb dieser Ebenen können Sie sich Bewegen. Sie können den Fakt das Sie aus der Gegend sind mit 5 Punkten bewerten, Kärnten mit 0, Österreich mit 3 und Europa mit 4. Wie wichtig Ihnen welche Ebene dieses regionalen Faktors ihrer Identität ist, obliegt allerdings nicht Ihrer freien Entscheidung sondern hat mit ihrer Umgebung zu tun. Wenn Sie in St. Veit in einem Wirtshaus sitzen, und jemand aus dem Nachbardorf eintritt, wird das Merkmal, dass sie beide Österreicher sind, keine Rolle spielen, weil es in diesem Fall weder zur Inklusion noch zur Exklusion taugt. Sie werden sich auf den örtlichen Teil ihrer Identität beziehen. Wenn Sie allerdings aus St. Veit in der Gegend kommen,  in einem Wiener Wirtshaus sitzen und ein Steirer eintritt, können Sie ein Gespräch je nach Herkunft des Gesprächspartners wahrscheinlich nur auf Basis der Bundesländeridentät führen, da ihr Gesprächspartner keinerlei Konnotationen zu St. Veit in der Gegend hat und Sie keinerlei Konnotation zu Großklein in der Steiermark. Allenfalls könnten Sie die Identität als Landmensch in Abgrenzung zu Stadtmenschen wählen. 
Was Sie nicht tun können, wenn Sie aus St. Veit in der Gegend in Kärnten kommen, ist so zu tun als wären Sie aus Krems in Niederösterreich. Hier stoßen die manifesten/extrinsischen Identitäten an ihre Grenzen. 

Der Unterschied im Feld Identitätspolitik zwischen Links und Rechts


Der Unterschied zwischen linker und rechter Identitätspolitik besteht oberflächlich betrachtet darin, dass rechte Identitätspolitiker Sie dazu verführen möchten, die manifesten Identitäten in den Bereichen von 7-10 auf der oben angeführten Skala zu bewerten. Rechte Identitätspolitiker sprechen Sie auf Basis ihrer Zugehörigkeit zur Nation oder Rasse oder Geschlecht an. Auf dieser Basis der Identitfikation soll dann eine möglichst anbgeschlossene Politik betrieben werden, die Abgrenzung zwischen der Gruppe innerhalb und außerhalb des Identitifikationsbereichs ermöglicht. Da diese Identifikation einer solchen Gruppe Interpretationen offen lässt, besteht dabei ständig die Gefahr, dass einerseits die Grenze mit echten oder imaginierten Attributen ausgestaltet wird (z.B. das katholische/weiße/deutschsprachige/historische... Österreich) und andererseits die so definierte Außen-Gruppe von der Innen-Gruppe schikaniert wird. Die Extremen Effekte dieser Einstellung haben wir im Nationalsozialismus erleben müssen.

Linke Identitätspolitik hat eine lange Entwicklung hinter sich. Ursprüngliche linke Identitätspolitik geht auf Marx zurück und der Interpretation der Geschichte als Klassenkampf. Grundlage für diese Auffassung der Welt war die Annahme eines ewigen Kampfes der Unterdrückten gegen Ihre Unterdrücker. Marx erschuf so ein Klassenbewusstsein oder für den hier bestehenden Zweck besser ausgedrückt: Eine Klassenidentität. Im Kontext des 19. Jahrhunderts lief die Interpretation auf den allseits bekannten Kampf zwischen Arbeiterklasse und Bourgousie hinaus, davor wäre die Geschichte laut Marx vom Kampf zwischen Adeligen und Bauern/Leibeigenen und davor zwischen Bürgern und Sklaven bestimmt gewesen. In einer äußerst sanften Form spiegelt sich diese Auslegung in der österreichischen Realverfassung in der Sozialpartnerschaft wieder, wo sich "Ausbeuter" und "Ausgebeutete" an einem Tisch finden. 
Marx' Klassenkampf hatte keine rassistische Komponente. Noch nicht eihmal eine Nationale. Der Ruf lautet: Arbeiter aller Herren Länder vereinigt euch. Er hatte gerade die Überwindung des Nationalismus zum Ziel. Er hatte auch keine sexistische Komponente, insofern als die Arbeiterwelt in aufgrund der physichen Grundlage der Arbeit und fehlender Verhütungsmöglichkeiten gar nicht anders denkbar war. Marx hat durch diese Geschichtsinterpretation das Arbeiterproletariat oder die Arbeiterklasse als sinnstiftendes Idntitätskriterium aus der Taufe gehoben. 

Diese Geschichte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts weitergesponnen. Spätestens seit Bourdieu wissen wir, dass soziale Klassen und Milieus ihre eigenen Habita ausbilden. Dh. die Arbeiterschaft entwickelt andere Inhalte für Begriffe wie Erfolg, Ehre, Werte, Verantwortung, erwünschtes Verhalten, Aufrichtigkeit etc. als z.B. Bauern, Bürger oder Akademiker, die jeweils ihr eigenes Orientierungssystem ausbilden. Darüber liegen dann jeweils noch die Mythen einer Nation, die von all diesen Gruppen geteilt werden müssen, damit ein Staat funktioniert. Die SPÖ und andere sozialdemokratischen Parteien Westeuropas haben nun diese Erkenntnisse genutzt um der Identität der Arbeiterklasse Wert zu verleihen. Sie sagten: Es ist genauso wertvoll Arbeiterverhalten an den Tag zu legen, wie z.B. bürgerliches Verhalten. Dadurch gelang es ihr die Partei mit den angesprochenen Milieus zu verzahnen. Die Arbeiterklasse oder unteren Schichten gewannen Subjektcharakter und standen nicht mehr unter sondern neben anderen Gruppen wie Bürgern, Akademikern und Co. und zwar auch, was ihre Verhaltensweisen anbelangt. Sie waren nun Subjekte der Geschichte, wie es Marx ausgedrückt hätte. Man schuf eine gleichberechtigte stolze Arbeiteridentität. 

Die zweite Linie der Identitätspolitik wurde im Zuge der Kolonialisierung deutlich. Hier wurde das Unterdrücker-Unterdrückter Narrativ in Form von Machtverhältnissen über ganze Völker, Nationen, Rassen gestülpt. In der vereinfachten Variante funktioniert diese Interpretation über moralische Gut-Böse Zuschreibungen. Deutlich zu Tage tritt dieses Narrativ z.B. im Palästinenserkonflikt, wo sich die linken identitätspolitischen Gruppen jedenfalls auf die Seite der Palästinenser schlagen, weil das Unterdrücker-Unterdrückter Narrativ zuschlägt. Wer Macht hat, in diesem Fall Israel ist jedenfalls böse, wer weniger Macht hat, ist jedenfalls gut. Handlungen wie terroristische Akte auf der Unterdrücktenseite oder humanistische wie wirtschaftliche Initiativen zur Erhöhung des Lebensstandards im Palästinensergebiet können das Narrativ nicht beeinflussen.

Die neue Identitätsdebatte wird nun aus der zweiten Richtung gespeist, und auf alle möglichen und unmöglichen Opferidentitäten ausgeweitet. Mehrheitlich wird diese Debatte unhinterfragt aus Amerika importiert.  Zwei Dinge sind dabei besonders gefährlich. 1. Es ist genau der gleiche Ansatz, wie ihn Rechtsextremisten verwenden. 2. Sie hat direkt oder indirekt die Dekonstruktion bestehender Identitäten zum Ziel. Diese beide widersprechen auf den ersten Blick. Gehen wir allerdings einen Schritt tiefer scheint sich Folgendes zu ergeben. Die linke Identitätsdebatte ist von vollkommener Ignoranz biologischer Fakten geprägt, daher kommt man zu völlig absurden Schlussfolgerungen betreffend sozialer Identitätsbestimmungen. Nehmen wir einen Mann der 2,10 Meter oder eine Frau die 1,95 Meter groß ist. Die Größe dieser Person wirkt sich auf die Identität dieser beiden Menschen aus, da sie andere Erfahrungen machen als durchschnittlich große Menschen. Ganz sicher werden beide öfter auf ihr Abweichen vom Durchschnitt angesprochen, nehmen Situation wahr, die andere nicht wahrnehmen oder interpretieren Situationen anders. Z.B.ist anzunehmen, dass sich ein 2,10 großer Mann seltener bedroht fühlt als ein 1,60 großer Mann. Gleichzeitig gilt aber auch, dass dieser Riese weniger Sensibilität für gefährliche Situationen entwickelt. (Es ist z.B. erwiesen dass Frauen, Gefahren früher wahrnehmen als Männer) und daher weniger Erfahrungen mit diesen Situationen sammeln kann. Aus der biologischen Tatsache der Größe, ergeben sich unterschiedliche soziale, persönliche und kommukitationsbasierte Erfahrungswerte, die sich in der Realität widerspiegeln. Z.B. würde man von einem solch großen Menschen erwarten, ass er eher Basketball spielt als z.B. Tischtennis. In jedem Fall wird die Größe aufgrund der außergewöhnlichkeit des Merkmals für diese Person einen Teil der Identität ausmachen. Durch die Negierung des biologischen Fakt, wird von dieser Richtung aber angenommen, dass die bloße Erwartungshaltung an einen großen Menschen unterschiedliche Erfahrungen gemacht zu haben, als ein durchschnittlich großer (für den die größe vermutlich überhaupt kein Identitätsmerkmal ist) oder kleiner Mensch, als Diskriminierung ausgelegt. Und dieses "so tun als ob..." ist die Negierung der Realität. 
Nun lässt sich dieses Beispiel auch auf sensiblere Themen ausweiten. EIne schwarze Person in Mitteleuropa hat definitv andere Erfahrungen gemacht, als eine Weiße. Daher wird der Faktum, dass jemand schwarz ist, vermutlich zu einem identitätsstifenden Merkmal. Ähnlich gilt für außergewöhnlich attraktive oder reiche Menschen. Die Welt für eine außergewöhnlich attraktive Frau ist sehr viel anders, als für eine weniger attraktive Frau oder einen häßlichen Mann. Der Denkfehler besteht allerdings darin, anzunehmen, dass das eine Merkmal dem anderen überlegen ist oder mit Privileg einhergeht. Vielmehr bieten all diese Merkmale und die damit einhergehenden Prädispositionen jeweils andere Vor- und Nachteile, wenn man gewillt ist, das Faktum anzunehmen. 


Die neue Linke tut nun aber so, als wäre es ein Privileg schön oder groß oder Mann oder weiß oder Frau oder oder oder zu sein. Diese Auffassung findet Anklang weil, sie einfach ist. Dabei wird aber vergessen, dass all diese "Privilegien" erstens nur kontextualisiert existieren und zweitens nur individuell aufgelöst werden können. Kontextualisiert bedeutet, dass es für einen 2,10 großen Mann ein Privileg ist, so groß zu sein, wenn er Baskettballspieler werden möchte. Es ist ein biologischer Startvorteil. Das selbe Merkmal ist ein Nachteil, wenn er in Japan Studien betreiben möchte. Individuell bedeutet, dass ein Privileg nicht dadurch entsteht, dass sie einer Gruppe zugehören, sondern aufgrund ihrer individuellen Erfahrungen. Es ist schwerlich zu argumentieren, dass David Alaba systematisch unterdrückt wird, während der Sandler namens Kurt ums Eck voll privilegiert ist. 
Genau das aber passiert auf linker Seite: Kollektive Schuld- oder Unterdrückerzuweisungen, die mitunter hunderte Jahre zurückreichen. Exakt das gleiche Muster mit dem auch Rechtsextreme die Geschichte interpretieren. 
Ich denke, die ideologische Fasade der neuen linken ist damit grob skizziert. Die Auffassung lautet: Die Linke hat sich im Bezug auf Ihre Weltbild radikalisiert. Sie versucht kollektive Identitäten mit moralischen Werten absolut neu aufzuladen und hatdamit den selben Weg eingeschlagen wie die Rechtsextremen. Dazu verlangt sie von den Menschen, ihre moralischen Werte zu teilen. Der Mechanismus bei Widerrede besteht in sozialer Ächtung durch Beschimpfungen wie Sexist, Rassist, Homophob etc. Diese Werte und Identitäten beruhen auf einem hierarchischen Opfersystem. Dh. egal wie ihre individuelle Ausgangsposition ist, wenn Sie aus einer Gruppe stammen, die vermeintlich oder tatsächlich benachteiligt wird, kommt ihnen höherer sozialer Status zu (eine vollkomene Umkehrung der auf Leistung, Weisheit, Fleiß... jedenfalls individuellen Bewertungsverfahren). Damit setzte Sie einen Wettlauf zum Opfermythos in Gang, der am Ende zu einem ewigen Kindheitsschema führt, da Menschen nicht mehr aufgrund, dessen was Sie erreicht oder überwunden haben bewertet werden, sondern genau umgekehrt aufgrund dessen, was ihnen nicht gelingt unter dem Vorschub vermeintlicher Benachteiligung. 

Menschen darauf angewiesen sind auf externe Identitätsmuster zurückzugreifen. Sie geben halt in unsicheren Zeiten. "Ich kann das, weil ich eine Frau/Mann bin", "Ich bin stark, weil ich aus Tirol komme", "Ich bin ok, weil ich aus einer Arbeiterfamilie komme" usw. usf. all diese einfachen Bestimmungen sind NOTWENDIG. An ihnen können sie sich aufrichten wenn die individuellen Identitätsmuster anfangen zu bröckeln. Sie sind für ihre persönliche Entwicklung notwendig. Sie sind auch notwendig indem sie sich von ihnen distanzieren und abgrenzen können, nach dem Muster "Ich bin nicht wie die anderen Tirolerkkkk". Das ist für ein starkes bewusstes Leben notwendig. Nietzsches Übermensch ist ein Wesen, das diese Werte, Identitäten und Überzeugungen immer wieder aufs neue aus sich selbst erschafft. Es  sind bis heute keine Übermenschen in Sicht und selbst wenn, können Sie diesen Maßstab nicht auf alle Anlegen. Er bleibt Illusion. 
Allerdings liegen unserem Staats- und Gesellschaftsverständnis der liberalen Demokratie auch die manifesten Identitäten zugrunde. Ein Staat funktioniert nur dann, wenn Sie an ihn glauben. Deshalb halten sich alle funktionierenden Staaten an der Krücke einer Nation. Alle anderen ideen- und identitätatragenden Mythen (in Frage kommen hierfür Ideologien, Religionen, charismatische Persönlichkeiten) haben sich als minderwertig und weniger erfolgreich gezeigt. Gleichwohl die Nation als Identitätsstifter und Staatsanker in vielen verschiedenen Arten geladen sein kann, ist es doch unerlässlich, dass sie existiert. Existiert sie nicht, gibt es kein gemeinsames Ganzes, das eine Gesellschaft zusammenhält. Wenn ich ein Bild malen darf: Sie sind vielleicht Briefträger in Wien, Bootsmann auf der Donau, Liftwart in Sölden oder Angestellter in Dornbirn. Sie sehen entweder Häuserschluchten, Wasser, Computer, Touristenmassen oder Berge in ihrem täglichen Leben, aber sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie vom selben Himmel reden, wenn sie miteinander in Gespräch kommen. Diese Funktion kommt der Nation zu. Es kommt auch hinzu, dass die allermeisteÄhnliche funktionen erfüllen manifeste Identitäten wie Geschlecht oder Herkunft. Es sind die Autobahnen auf den Landkarten. Sie dienen zur Orientierung. Von ihnen zweigen individuelle Identitäten ab. Wenn Sie aber einem unbekannten Menschen begegnen, müssen sie sich darauf verlassen können, dass sie eine Frau vor sich haben, oder einen Mann. Dann können Sie eine Abfahrt nehmen um festzustellen um was für eine Frau oder Mann es sich handelt. Bis zum kleinsten Charakterzug oder dem letzten Forstweg. Aber um ein soziales Gemeinwesen zu halten, müssen wir die breitest mögliche, gleichzeitig Abgrenzung und Inklusion bietende Strecke beibehalten. 

Zwischen Links und Rechts

Zwischen Links und Rechts bestand bisher der Weg der liberalen Demokratie. Dieser besagt, dass Sie frei sind, Ihre intrinsischen Identitäten frei zu erarbeiten.
Die liberalen Demokratien haben festgeschrieben, Menschen nicht aufgrund, sondern unabhängig von Ihren Gruppenzugehörigkeiten zu behandeln. Jeder kann Kanzler oder Kanzlerin werden aber eben unabhängig vom Geschlecht, Herkunft, sozialer Klasse... Es gibt keine Quote. Das einzige was es gibt, ist die Beschränkung auf die Zugehörigkeit zum Staat und dessen Grundsätzen. Darüber hinaus sind Sie als Individuum zu behandeln unabhängig von all diesen manifesten wie auch intrinsischen Merkmalen. Beim aktiven und passiven Wahlrecht ebenso wie vor der Justiz. Dass wir jetzt einen schritt zurück gehen in Richtung Gewichtung von Verantwortlichkeiten auf Basis der Gruppenzugehörigkeit ist ein unglaublicher gefährlicher Weg. 
Der liberale Staat hält sich aus bewusst aus vielen Feldern seiner Bürger raus. Eine sozialer, liberaler Staat hat sicherzustellen, dass es ein Auffangnetz gibt, auf dem man wieder aufstehen kann, dass die Sicherheit gegeben ist wenn Sie sie brauchen, dass sie ihre Potentiale entfalten können, dass sie aber darüber hinaus freie und (falsche!) Entscheidungen treffen können, dass sie etwas riskieren können, dass sie ihre Gedanken ausdrücken können.


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